20 Jahre Folkloretanzgruppe der Arbeiterwohlfahrt Spandau

Gemeinsam grenzenlos in Bewegung

 Ungefähr 20 Menschen trafen sich am 12. Juni 1985 im Seniorenklub Lindenufer zum ersten Mal, um gemeinsam internationale Volkstänze zu lernen. Eingeladen hatte ich sie, weil ich nach längerer Tanzpause an meine Tanzgruppenzeit als Kind und Jugendliche in der AWO-Tanzgruppe von Alfred und Gerda Kramer anknüpfen wollte. Ältere AWO-Mitglieder werden sich noch gerne an die Beiden erinnern!

 Aus anfänglicher Unsicherheit, was denn da so für Leute kämen und ob diese Art des Tanzens denn wohl auch das Richtige wäre, wurde bei etlichen schnell Tanzbegeisterung. Und auch wenn von denen, die damals beim ersten Mal dabei waren, nur vier Frauen auch nach 20 Jahren noch bei uns sind, haben doch im Laufe der Zeit um die 200 Menschen kürzer oder länger bei uns mitgetanzt, und von den derzeitigen 41 Tänzerinnen und Tänzern im Alter von 16 bis 70 Jahren tanzen die meisten schon weit mehr als 10 Jahre.

 Der letzte Satz zeigt schon eine wichtige Qualität, die der Folkloretanz aufweist: er ist generationsverbindend. Weil Tanzen schon für Kinder wichtig ist – Tanzen aktiviert Seele, Körper und Geist, ist damit ganzheitliches Tun und im besonderen Maße zur Persönlichkeitsentfaltung geeignet – rief ich im September 1986 schließlich auch die Kindertanzgruppen der Arbeiterwohlfahrt ins Leben, nicht zuletzt, um auch meiner damals 7-jährigen Tochter Julia das Tanzen in einer Gruppe zu ermöglichen. Was mit ca. 10 Kindern begann, entwickelte sich zu einer Spandauer „Massenbewegung“: Im Laufe der Jahre tanzten und tanzen um die 850 Kinder in den Gruppen Hokuspokusfidibus (2-3 Jahre), Pepperbillies (4-6 Jahre), Tausendfüßler (7-9 Jahre) und Lollipop (10-14 Jahre). Zu den Kindergruppen werde ich mich aber ausführlicher im September 2006 zu Wort melden, wenn diese  ihr 20-jähriges Bestehen feiern.

 Zurück zur Gruppe „Steppin’ Easy“ – so hatte sich die Erwachsenengruppe irgendwann nach einem der ersten Tänze, die sie gelernt hatte, genannt. Lollipops, die 15 werden, wechseln zu Steppin’ Easy – und so kommt es, dass wir unseren eigenen Tanznachwuchs erzeugen und drei Generationen zusammen bei uns tanzen. Gemeinsam tanzen wir aber nicht nur zu Hause in Spandau (inzwischen nicht mehr im Seniorenklub, sondern im Kulturhaus), sondern auch mit Menschen aus den verschiedensten Ländern Europas, vorzugsweise in deren eigenen Heimatländern. Und so erklärt sich das „grenzenlos“ in der Überschrift zu diesem Artikel nicht nur aus der Internationalität der bei uns getanzten Schritte (von Schottland bis Italien, von Portugal bis Israel reichen die Herkunftsländer der Tänze, die uns „unter die Füße kommen“), sondern auch aus der Tatsache, dass wir durch eine alljährlich – meist im Herbst stattfindende – Tanz- und Kulturreise ein Land mit all seinen Facetten kennen lernen wollen. Bis jetzt waren wir bereits in Ungarn, Holland, Lettland, Italien (Umbrien), Irland, Schweden, Frankreich (Elsass), Polen (Masuren), Schottland und Spanien (Andalusien) und haben dort versucht, die Kultur des Gastlandes nicht nur durch das Erlernen der jeweiligen Tänze bei einem „Einheimischen“, sondern auch durch Singen der Lieder dieses Landes, Einlesen in Literatur, Kultur und Gebräuche, sowie intensivste Besichtigungsprogramme zu erfassen. Tanzen bildet also auch noch – und fördert die Toleranz fremden Lebensweisen gegenüber.

 Nun muss ich das „grenzenlos“ aus unserem Slogan ja schon gar nicht mehr erklären. Auch in diesem, unserem Jubiläumsjahr, werden wir die Grenzen Deutschlands wieder überschreiten, diesmal gleich zweimal: Unsere große Herbstreise wird uns nach Estland führen, eine kürzere Fahrt zu einer befreundeten Tanzgruppe („English Miscellany“) nach Luton/England. Auf unserem vollen Aktivitätenkalender stehen außerdem eine Überraschungsfahrt im Juni, auf der wir unsere zwei Tanzdekaden kräftig feiern wollen, das Tanz- und Folklorefest in Rudolstadt/Thüringen und wie immer jede Menge Feiern, Auftritte und fröhliche Zusammensein.

 All dieses Tun hat im Laufe der Jahre auch noch zu anderem Erfreulichen geführt: Sechs Ehen und Lebenspartnerschaften sowie vier Kinder sind durch Begegnungen bei „Steppin’ Easy“ entstanden – nette Nebenprodukte unseres tänzerischen Einsatzes.

 Beenden möchte ich diese kleine Rückschau mit diversen Slogans, die auf unseren Tanz-T-Shirts zu lesen sind und die vielleicht kürzer als alle Berichte erklären, warum es 41 Tänzerinnen und Tänzer, aber auch 25 „Groupies und Sympathisanten“ bei „Steppin’ Easy“ gefällt: „Tanzen macht Spaß“, „Tanzen – Reisen – Glücklich sein“, „Tanzen ist Träumen mit den Füßen“, „Ich tanze, also bin ich“ und schließlich natürlich „Gemeinsam grenzenlos in Bewegung“ – dass dies noch mindestens weitere 20 Jahre der Fall sein möge, wünscht sich

   

der „Danceoholic

Dagmar Gräf

(ehemals Kramer)

   

P.S. Schaut doch öfter mal in unsere Homepage: www.steppin-easy.de