„Üks, kaks, kolm“ schallt es jetzt durch den Saal,
Tallinn war uns’re nächste Wahl.
Ostseestrand und Moor
stell’n sich herbstlich vor,
zwischen Drumlins glänzt Wasser im Tal.
Eine singende Revolution
gab’s vor 15 Jahren hier schon.
Sonne schien meist warm,
Estland hat viel Charme –
Mu isamaa on minu arm!
(Melodie:
Der Refrain von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“)
STEPPIN’ EASY hat einen Shanty, der auf dem Abschiedsabend jeder Reise, jeweils verlängert um eine sich auf die aktuelle Reise beziehende Strophe, gesungen wird. Im Oktober 2005 erklang dieser Shanty mit obiger neuer Strophe also in Tallinn, wohin uns unsere letzte große Reise führte. „Mu isamaa on minu arm“ (zu deutsch: „Mein Vaterland ist meine Liebe.“) – ja, die Esten sind stolz auf ihr Land, das sie sich 1991 zurück erobert haben, zu Hunderttausenden ihre alten, in der Sowjetzeit verbotenen, estnischen Lieder singend. Und schön ist ihr Land wirklich, das wir – so wie wir es immer auf unseren Reisen tun – ausgiebig erkundet haben. Egal, ob uns an der Ostseeküste das Herz aufging, ob wir durch das Hochmoor im Nationalpark wanderten, ob uns angesichts der Armut in den russisch-orthodoxen Dörfern am Peipsi-See beklemmende Gefühle bewegten oder ob wir immer und immer wieder durch die mittelalterlichen Gassen Tallinns streiften – überall brannten sich unvergessliche Eindrücke in unser Gedächtnis. Nette estnische Tänzerinnen und Tänzer der Gruppe Valla-allune haben wir kennen gelernt; eine von ihnen kannte sogar Spandau, hat schon einmal eine Woche Praktikum in der Konditorei Fester absolviert. Eine weitere Tänzerin, Inga, hat sich sogar mehrere Stunden Zeit genommen, um uns „ihre“ Halbinsel auf einem wunderschönen Ausflug zu zeigen. Immer wieder macht STEPPIN’ EASY die Erfahrung: Überall gibt es freundliche und offene Menschen. (Und da vergisst man den manchmal leicht aufgekommenen Ärger über unseren fast ständig muffelnden estnischen Busfahrer Arnold schnell!)
Erstmalig gab sich STEPPIN’ EASY in diesem Jubiläumsjahr nicht mit ein bis zwei Reisen zufrieden, die sonst immer so pro Jahr vertanzt werden. Zwischen Güstrow und Estland schob sich im August noch der Besuch von „English Miscellany“ in Luton. In dieser Tanzgruppe tanzt unser ehemaliges STEPPIN’-EASY-Mitglied Bernd Borchert, der nach England ausgewandert ist, und nachdem sich die beiden Gruppen beim Besuch von English Miscellany zu Pfingsten 2004 so wunderbar verstanden hatten (sie tanzen, singen, essen und trinken genau so gerne wie wir!), beschlossen wir, den Besuch zu erwidern – und zwar very quickly. Und so kam es, dass eine Spandauer Tanzgruppe an der Themse mit Blick auf Tower und Tower Bridge englischen Spaziergängern und Touristen internationale Folklore vorführte! So oft ich schon in London war, das hätte ich mir nie träumen lassen... Und die drei Tage vergingen dann schnell, mit zwei weiteren Auftritten, Picknicks, Tanzabend, Essenseinladungen bei den Gastfamilien und dem berühmten Nottinghill Carnival.
Als ob diese drei Fahrten nicht genug wären, zog es über 20 von uns auch noch zum alljährlich stattfindenden Tanz- und Folklorefestival nach Rudolstadt/Thüringen. Da gab es dann drei Tage lang Musik und Tanz zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Ort. Unsere kleine STEPPIN’ EASY-Zelt- und Campingwagenburg wird von Jahr zu Jahr größer.
Nach diesen ausführlichen Berichten über unsere Reisen seien unsere Auftritte des letzten Jahres nur kurz und knapp aufgezählt: Neujahrsempfang der AWO Abt. Südpark, Ehrung der Ehrenamtlichen im Bürgersaal Spandau, 1. Mai im Britzer Garten, Auftritte auf dem Potsdamer Buga-Gelände, beim Nachbarschaftsfest der Luther-Gemeinde, auf dem 60. Geburtstag eines Freundes, bei einer Seniorenfeier im Pillnitzer Weg.
Wie schon zweimal zuvor gestaltete die Luther-Gemeinde in der Spandauer Neustadt zusammen mit STEPPIN’ EASY einen Tanzgottesdienst; im 60. Jahr nach Kriegsende hatte dieser das Thema „Krieg und Frieden“. So wurden Vorführ- und Mitmachtänze aus Ländern getanzt, denen Deutschland den Krieg erklärt hatte, und natürlich durfte ein israelischer Friedenstanz („Nitsaneh Shalom“ - „Die Glocken des Friedens“) nicht fehlen. Die Gemeinde schien daran ebenso viel Gefallen zu finden wie wir.
Große Feste (diesmal wurde unsere älteste Tänzerin Ursula 70), Reisevorbereitungs- und nachtreffen, ein ganz- und ein halbtägiges Samstagsübungstanzen, Tanzlehrgänge, „Tanz in den Mai“ mit Tänzerinnen und Tänzern anderer Berliner Gruppen, ein Tanztreffen mit einer lettischen Studententanzgruppe, das große Berliner Folkloretanzfest in der Schöneberger Sporthalle, unsere Weihnachtsfeier, diesmal erstmalig in Form eines Adventsbrunches, sowie unser zweitägiger Glühwein- und Kuchenverkauf auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt rundeten wie immer das an Aktivitäten reiche STEPPIN’- EASY-Jahr ab. Und ein kleines bisschen stolz möchten wir hier auch ein paar nackte Zahlen verkünden: die Mitgliederliste weist inzwischen 47 Namen auf! Bei 10 von diesen Tänzerinnen und Tänzern handelt es sich um „Aufsteiger“ aus der Lollipop-Kindertanzgruppe. Dabei ist immerhin ein Junge, so dass unsere zehn „großen Jungs“ etwas männliche Unterstützung bekommen haben. Mit 36 jungen und älteren „Mädchen“ haben die es nämlich sicher auch nicht immer leicht...
Und auch wenn diese 47 natürlich an keinem Tanzmittwoch alle zum Training antreten, leiden wir inzwischen so manches Mal unter Platzknappheit in dem ansonsten sehr schönen Tanzsaal des Kulturhauses Spandau.
Da ist es gut, dass die vier Kindertanzgruppen nacheinander und nicht gleichzeitig tanzen! Bei Hokuspokusfidibus, den Pepperbillies, den Tausendfüßlern und bei den Lollipops tanzen nämlich insgesamt 60-70 Kinder – und leider ist hier der männliche Anteil noch geringer als bei den „Großen“. Vor allem die Tausendfüßer – das ist die Gruppe der 7-9-Jährigen – entwickeln sich zu einer aufführungsfreudigen Gruppe, traten sie doch im letzten Jahr nicht nur wie jedes Jahr auf dem Luthergemeindefest, sondern auch auf dem Kinderkunstfest in Kremmen auf.
Wer zu dieser verbalen Variante des letzten STEPPIN’- EASY-Jahres noch ein paar optische Eindrücke gewinnen möchte, schaut einfach mal ins Internet unter www.steppin-easy.de: Im „Album“ gibt’s hier eine Fülle von Fotos diverser Auftritte und Reisen. Eins unserer Projekte für 2006 ist der Ausbau der Kindertanzrubrik durch Fotos auf dieser Website.
Auch sonst kann der Leser, kann die Leserin dieses Berichtes sicher sein, dass das Jahr 2006 etliche Projekte für die Easys bereit hält. Freut euch also auf den nächsten Jahresbericht.
Mit fröhlich tanzenden Grüßen