Jahresbericht der Spandauer AWO-Tanzgruppen 2004
2004 war ein für mich persönlich sehr bedeutsames Jahr:
Seit dem 26. Mai werden die Tanzgruppen der Arbeiterwohlfahrt Spandau nicht mehr
von Dagmar Kramer, sondern von Dagmar Gräf geleitet. Ich habe den Schritt in
eine zweite Ehe gewagt! Meine Tanzgruppe erfuhr davon erst hinterher, am Abend
des großen Tages, der zufällig ein Mittwoch und damit ein Tanztag war, und
freute sich riesig mit uns. Und ich freue mich, dass mein Mann, obwohl
Nicht-Folklore-Tänzer mit viel Spaß und Einsatz bei fast allen
Steppin-Easy-Aktivitäten mit dabei ist!
Und üppig bestückt war das vergangene Jahr wieder mit eben diesen.
Besonders reich gesegnet waren wir 2004 mit „großen“ Festen: Ein 40. und
zwei 50. Geburtstage (einer davon kombiniert mit der
Steppin’-Easy-Weihnachtsfeier) sowie das Rosenfest, mit dem wir im September
nachträglich unsere Hochzeit feierten, hielten zunächst die Festtagskomitees
und am großen Tage selbst ganz Steppin’ Easy mit all seinen Groupies und
Sympathisanten in Atem. So unterschiedlich alle von uns erdachten Programme auch
immer sind, eines kommt wie das Amen in der Kirche oder der Schlusstakt im Tanz:
der von unserem „Barden“ Thomas selbst gedichtete Shanty, in der Regel von
allen männlichen Gästen in Seemannsmützen und roten Halstüchern als letzter
Programmpunkt jedes Festes vorgetragen.
Von den Auftritten des vergangenen Jahres möchte ich zwei Premieren
besonders herausstellen: Am 1. Mai gab es einen sehr schönen Auftritt etlicher
Tanzgruppen der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz (darunter auch wir) auf dem Gelände
der BUGA in Potsdam, und im September traten wir als Beitrag des Vereins
„Historisches Scheunenviertel Kremmen e.V.“ auf dem Erntedankfest in Kremmen
auf. Auch im benachbarten Bundesland Brandenburg tanzt sich’s also nicht
schlecht, und mich als Neu-Brandenburger Bürgerin freut’s besonders, wenn wir
die Berliner Stadtgrenze mal tänzerisch überschreiten.
Ansonsten amüsierten wir uns im Tanzjahr 2004 beim von der Tanzgruppe in
der Wilmersdorfer Hochmeistergemeinde organisierten „Tanz in den Mai“ (u. a.
bei Kontra-Tänzen zu Live-Musik), auf dem großen Schottischen Ball der „Scottish
Dance Society of Berlin“ , auf unserem eigenen Sommerfest, auf Tanzlehrgängen,
vor allem dem stets freudig erwarteten Square-Dance-Lehrgang im November, beim
Tanzen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern der Paul-Gerhardt-Gemeinde und gemeinsam
mit unseren englischen Tanzfreunden aus Luton, der Gruppe „English Miscellany“,
bei ihrem Besuch in Berlin zu Pfingsten. Teils mit, teils ohne uns absolvierten
sie Auftritte im Johannesstift, im Schützenhof und in der Gartenstadt Staaken,
zeigten uns die Vielfalt englischer Tänze; „Miscellany“ bedeutet Mischung,
Vielfalt. Auch hier war unser Organisationstalent wieder gefordert, galt es doch
Unterbringung von 30 Menschen, alle Auftritte, eine Stadtrundfahrt, einen
gemeinsamen Tanzabend und ein gruppenweise durchzuführendes Abendessen „auf
die Reihe“ zu bringen. Bei einem Teil dieser Aktivitäten unterstützten uns
Tilli und Karl-Heinz Borchert, deren Sohn Bernd – früher Tänzer bei Steppin’
Easy, jetzt in England sesshaft und Tänzer bei „English Miscellany“ –
„Schuld“ an diesem Kontakt ist. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die
Unterstützung! Wir hatten so viel Spaß mit- und Freude aneinander, dass für
2005 der Gegenbesuch geplant ist. Aber halt – bevor nun der Ausblick aufs
laufende Jahr folgt, müssen natürlich noch die Tanzreisen des Jahres 2004 gewürdigt
werden!
Die Fahrt zum TFF (Tanz- und Folklorefest) in Rudolstadt/Thüringen am
jeweils ersten Juli-Wochenende eines Jahres startete ursprünglich mal als
Privatvergnügen einiger weniger Mitglieder von Steppin’ Easy. Die Schwärmereien
dieser ersten Pioniere führten jedoch dazu, dass dieser Termin inzwischen fest
in den Steppin’-Easy-Jahres-Kalender eingeplant wird und die Teilnehmerzahl
die Zwanzigermarke längst überschritten hat. Und obwohl es 2004 – wie in
jedem Jahr! – wieder heftig geregnet hat, hatten wir Spaß ohne Ende in all
den Konzerten und beim gemütlichen Beisammensein zwischen Zelten und Wohnwagen.
Die ganz große (Auslands-) Reise führte uns – diesmal erstmalig mit
dem Flugzeug – nach Andalusien. Olé! Natürlich ließen wir als Tierfreunde
den Besuch eines Stierkampfes aus; ansonsten jedoch war keine Sehenswürdigkeit,
kein Zeugnis maurischer Blütezeit vor uns sicher. Dank unseres sehr zentral
gelegenen Aufenthaltsortes Osuna (eine kleine Stadt in der Mitte Andalusiens,
die Touristen normalerweise höchstens mal auf der Durchreise erlebt) konnten
wir wirklich alles, was wir wollten, anschauen und fuhren nach Granada, Córdoba,
Malaga, Ronda, besichtigten die berühmten „pueblos
blancos“ (weiße Dörfer)
und eine der berühmtesten Tropfsteinhöhlen Europas. Im Tanzsaal der „Casa de
la Cultura“ lernten wir bei der fröhlichen Tanzlehrerin Rosa die Sevillana
kennen – nein, tanzen gelernt haben wir sie nicht wirklich; um diesen, vom
Schwierigkeitsgrad etwa mit dem Flamenco vergleichbaren Tanz tanzen zu können,
bedarf es doch deutlich mehr Zeit als zweier Tage: zwei Tage wöchentlich zwei
Jahre lang wären wahrscheinlich eine realistische Zeit! Lange noch nach der
Reise verfolgte mich eine Strophe unseres Andalusienliedes als Ohrwurm:
Esmeralda y torillas,
Alhambra y buenos dias,
tapas, fino y sangrias,
golpe, golpe, punta...
... wobei die letzte Zeile sich auf von Rosa mit Inbrunst
angesagte Tanzschritte bezieht.
Die letzte große Aktion des Jahres 2004 war wie immer der Verkaufsstand
auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt am dritten Adventswochenende. 1200 € gingen
diesmal an die Luthergemeinde, die damit und mit den vielen anderen Spenden, die
sie zu diesem Zweck erhält, Kindern und Jugendlichen in El Salvador eine
Schulbildung ermöglicht.
Steppin’ Easy denkt jedoch auch an die „eigenen“ Kinder, soll heißen
an die Berliner (und mittlerweile auch an einige Brandenburger) Kinder, die in
den AWO-Tanzgruppen Hokuspokusfidibus, Pepperbillies, Tausendfüßler und
Lollipop tanzen. Liebevoll werden von drei Tanzdamen und mir jedes Jahr Tütchen
mit kleinen Überraschungen gepackt, die der Steppin’-Easy-Weihnachtsmann dann
an die z. Z. 70 Tanzmäuse verteilt. Im Zusammenhang mit diesem Jahresbericht
sei nicht nur diesen fleißigen Tütenpackerinnen gedankt, sondern allen „Steppies“,
die nicht nur tanzen, sondern auf die eine oder andere Art zum Gelingen des
Steppin’-Easy-Gemeinschafts(er-)lebens beitragen, sei es durch das Eintreiben
und Verwalten unserer Finanzen, Vorbereiten von Reisen, Tanzen mit den „Anfängern“,
Besorgen von Geschenken, Dichten von Liedern und vielem Anderen mehr. Nur
gemeinsam sind wir stark!
Und beim Durchlesen der zahlreichen letzten Jahresberichte fiel mir auf,
dass eine schöne Sitte noch nie erwähnt worden ist: In jedem Jahr gibt es ein
wohl überlegtes und kreativ gestaltetes Weihnachtsgeschenk für jede Tänzerin
und jeden Tänzer, in diesem Jahr einen regenbogenbunten Regenschirm mit der
Aufschrift „Steppin’ Easy – Dancing over the rainbow“ (nicht nur für
Rudolstadt, siehe oben!). Auf diese Weise gab es in den letzten Jahren eine CD
mit unseren Lieblingstänzen, einen Ordner (mit Fotos der Gruppe beim Singen als
Titelblatt) für unsere Lieder oder T-Shirts mit tanzspezifischen Aufdrucken
(„Danceoholic“, „Tanzen macht Spaß“, „Ich tanze, also bin ich“).
Mit einem Text eines weiteren T-Shirts möchte ich mich in diesem Jahr
verabschieden und wünsche allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der AWO ein
friedvolles Jahr 2005:
„Tanzen ist Träumen mit den Füßen“
In diesem Sinne –
Dagmar Gräf